Mordor

Nachdem wir am Vortag bereits vergeblich versucht hatten «Mordor» zu Klettern (siehe Bericht «Supervisor»), wollten wir diesmal nichts dem Zufall überlassen. Um 5 Uhr ging es los und noch im Dunkeln stapften wir den steilen Schneehang hoch zu den Eisfällen. Es schneite ununterbrochen und so sollte es auch bleiben bis am Abend.

Am Einstieg angekommen die grosse Erleichterung: Diesmal hatten wir die Startnummer 1! Insgeheim hoffte ich aber, dass nicht alle anderen Seilschaften wegen dem schlechten Wetter zu Hause geblieben und wir vergeblich so früh aufgestanden waren.

Marianus machte sich parat um die erste Seillänge vorzusteigen. Er zog seine flauschige Kapuze vom Helm runter und kletterte die ersten 5 Meter hoch, als ihn auch schon eine erste grosse Staublawine (Spindrift) erfrischte. Drei Minuten später war er endgültig wach und seine Kapuze bis oben mit Schnee gefüllt :)

Diesmal trafen wir auf dickes, kompaktes Eis. Der Eisfall gibt zwar einiges her, ist aber weit weniger abwechslungsreich und interessant als «Supervisor», den wir am Vortag klettern konnten. Unangenehm fand ich, dass es immer viel Betrieb gibt in dem Eisfall und nachfolgende Seilschaften immer wieder von dem Eis getroffen werden, das obere Seilschaften lösen. Selbst an den meisten Ständen ist man kaum vor Eisschlag geschützt.

Nach 4 Seillängen und 3.5 Stunden waren wir oben am Eisfall angelangt und spurten weiter hoch durch den Tiefschnee. Abseilen wollten wir über den spektakulären Eisfall neben Mordor. Dort gibt es eine Route mit dem Namen «Rodeo», die wir uns genauer anschauen wollten. Die Eisverhältnisse seien zwar diesen Winter nicht ausreichend, wurde uns von einem angehenden Bergführer und lokalen Kenner gesagt. Dafür gab es eine schmale Linie aus Eis, die sich in früheren Jahren nicht gebildet hat. Am Vorabend hat uns der Bergführer Sepp Inhöger, welcher in der Gegend viele Linien erstbegangen hat, freundlicherweise noch ein paar Infos am Telefon verraten. So wussten wir bereits welche Klemmkeile von Nutzen sein würden, um in der Schlüsselstelle zusätzlich Sicherungen am Fels anbringen zu können.

Leider reichte uns die Zeit dann aber nicht mehr, um die Route zu klettern. Innert nützlicher Zeit konnten wir keinen guten Stand finden unterhalb der Schlüsselstelle, der nicht gefährdet war von den riesigen Eiszapfen darüber. Schliesslich hatten wir noch eine 8-stündige Fahrt zurück in die Schweiz vor uns. Etwa um 3 Uhr morgens waren wir dann erschöpft aber glücklich wieder zurück in Bern.

«Mordor»
WI5, 315 m
Eisarena, Anlauftal, Gasteinertal, Österreich

Ein Kommentar zu “Mordor”

  1. Raphael Raphael Wellig

    hallo marianus und bernhard

    danke für den tollen bericht.
    grossartige und eindrückliche fotos. ich gratuliere euch.
    ich wünsche euch immer schöne touren. machs gut.

    beste grüsse
    raphael wellig

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