Rio Highlines Teil 1: Pedra da Gávea

Normalerweise informiere ich mich im voraus über potentielle Highline-Spots, wenn ich für längere Zeit in ein fernes Land reise. Diesmal war es anders. Ziemlich kurzfristig konnte ich einen günstigen Flug nach Rio buchen. Eigentlich hatte ich geplant irgendwann mal Oktober oder November nach Brasilien zu fliegen und nicht gerade während der Fussball-WM. Aber manchmal kommt es eben anders als man denkt.

Schon oft hatte ich Bilder von Rio gesehen. Viel mehr als der Zuckerhut und die Christus-Statue kannte ich jedoch nicht. Natürlich habe ich mir überlegt, ob es möglich wäre dort eine Highline zu spannen. Aber eigentlich wollte ich diesmal vor allem meine Freundin besuchen, die einen Sprachaufenthalt in Rio macht und mit ihr zusammen Stadt und Kultur kennen lernen.

Ganz verzichten auf’s Highlinen wollte ich aber auch nicht. Schliesslich hatte ich drei Wochen Zeit und wusste, dass es rund um Rio bereits ein paar fertig eingebohrte Highlines-Spots gibt. Deshalb kontaktierte ich vorgängig ein paar bekannte Highliner aus Rio und packte eine ein 35 kg leichtes Highline-Setup ein.

Rio ist eine faszinierende Stadt, die zwischen grünen Hügeln und Felsen gebaut wurde. Alles liegt dicht beieinander. Traumhafte Sandstrände, Favelas, Hochhäuser, lärmige Strassen, eine erholsame Seepromenade, tropische Wälder und grossartige Architektur. Es ist eine Grossstadt voller Wiedersprüche, die im Rhythmus der allgegenwärtigen Samba-Musik pulsiert. In Rio lässt es sich wunderbar in den Tag hineinleben und immer wieder Neues entdecken. Das Angebot an Kultur, Sport, Natur und Konzerten ist überwältigend. Die Leute sind spontan und offen.

Nach 10 Tagen in Rio hatte ich mehr Caipirinha getrunken und Samba gehört als in meinem ganzen Leben zuvor. Es wurde höchste Zeit einen der umliegenden Berge zu erklimmen und die Stadt aus der Vogelperspektive zu erleben.

Einer der markantesten Felsen, den man von Rio aus sehen kann, ist der Pedra da Gávea. Die Form des Monoliths mit seiner überhängenden Steilwand erinnert ein wenig an einen Tafelberg. Es ist der weltweit grösste Granitblock in Meeresnähe. Ganz oben auf diesem Berg gibt es eine 25 m lange Highline. Die meisten Highline-Bilder, die man aus Rio kennt, sind dort oben gemacht worden.

Zusammen mit zwei Highliner aus Rio wollte ich auf der anderen Seite des Berges eine neue Highline wiederholen, die sie zwei Monate zuvor eingebohrt hatten. Diese befindet sich auf der Ostseite des „Gavea Stone“, so dass man eine wunderbare Sicht auf das Zentrum von Rio, Cristo Redentor und den Zuckerhut hat.

Zum Glück hatte ich ein 50 m langes Schlauchband mit dabei, denn die zwei Kollegen hatten nur ein gerade mal 30 m langes Band, das dazu noch ziemlich verbraucht aussah. Der Aufbau gelang und bald darauf stand ich auf meiner ersten Highline in Brasilien. Durch die tropische Luftfeuchtigkeit verlor das Band schnell viel Spannung, so dass es einige Versuche brauchte, bis ich die Highline in beide Richtungen laufen konnte.

Als wir vom Pedra da Gávea wieder runter kletterten war es bereits dunkel. Die Szenerie mit den Lichter der Grossstadt unter und dem klaren Sternenhimmel über uns war überwältigend.

Highline Specs
Name: Delírios Tropicais
Ort: Pedra da Gávea (Gavea Stone), Rio de Janeiro
Länge: 40 m
Fallhöhe: ca. 40 m
Side exposure: ca. 800 m
Bisherige Begehungen: Sancler Lopes (18.5.2014 HM), Bruno Migueis (18.5.2014 FM), Caio Amateur (18.5.2014 OSFM), Gustavo Sources (18.5.2014 HM), Bernhard Witz (29.6.2014 FM Swami)

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